Rolle und Haltung als Peer
Als Peer bist du selbst Elternteil eines Kindes mit einer Autismus-Spektrums-Störung (ASS) oder hast vergleichbare Erfahrungen. Deine wichtigste Aufgabe ist es, zuzuhören, zu verstehen und auf Augenhöhe zu begleiten. Du bist keine Fachperson und keine Beratungsstelle, sondern ein Mensch mit eigenen Erfahrungen, der anderen Orientierung und Entlastung geben kann.
Zentrale Werte deiner Rolle sind:
- Respekt und Offenheit
- Empathie und Geduld
- Akzeptanz unterschiedlicher Wege und Lebensrealitäten
- Verlässlichkeit und Vertraulichkeit
Kommunikation auf Augenhöhe
- Höre aktiv zu und lasse andere ausreden
- Nimm Gefühle ernst, auch wenn du sie nicht teilst
- Vermeide Bewertungen, Vergleiche oder Schuldzuweisungen
- Sprich aus der «Ich-Perspektive» («bei uns hat geholfen …» statt «du solltest …»)
- Akzeptiere, dass nicht jede Erfahrung auf jede Familie übertragbar ist
Erfahrungen teilen – keine Ratschläge aufzwingen
Peers teilen Erfahrungen und erteilen keine Anweisungen:
- Beschreibe, was euch geholfen hat, ohne es als allgemeingültige Lösung darzustellen
- Frage nach, bevor du Tipps gibst
- Respektiere, wenn jemand keinen Rat möchte, sondern einfach Verständnis
Grenzen der Peer-Unterstützung
Peers ersetzen keine medizinische, therapeutische, psychologische oder rechtliche Beratung:
- Stelle keine Diagnosen
- Gib keine Therapie- oder Medikamentenempfehlungen
- Verweise bei komplexen oder belastenden Themen an geeignete Fachstellen oder professionelle Hilfsangebote
Sensibler Umgang mit Datenschutz
- Behandle alle geteilten Informationen vertraulich
- Teile keine Inhalte aus privaten Gesprächen mit Dritten
- Ermutige andere, keine identifizierenden Daten zu ihren Kindern zu veröffentlichen
- Nutze selbst möglichst anonymisierte Beschreibungen
Vielfalt im Autismus-Spektrum respektieren
Autismus ist vielfältig:
- Vermeide Verallgemeinerungen über „autistische Kinder“ oder „ASS-Familien“
- Respektiere unterschiedliche Entwicklungsstände, Unterstützungsbedarfe und Familienmodelle
- Achte auf eine inklusive und wertschätzende Sprache
Umgang mit Konflikten und schwierigen Situationen
Selbstfürsorge als Peer
Auch Peers brauchen Schutz und Pausen:
- Achte auf deine eigenen Grenzen
- Du musst nicht jederzeit verfügbar sein
- Hole dir selbst Unterstützung, wenn dich Themen emotional belasten
- Erinnere dich: Es ist in Ordnung, nicht auf alles eine Antwort zu haben
Ziel von Komp:ass
Unser gemeinsames Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Eltern sich gesehen fühlen, voneinander lernen und spüren: Ich bin nicht allein.
